Initiative für Studiengebühren!
Es wirklich erstaunlich, wie kreativ und fleißig ansonsten gemächliche Studenten werden können. Zu wahrer Höchstform laufen sie auf, wenn es darum geht Gefahren für sich und die Allgemeinheit abzuwehren. Sie kämpfen leidenschaftlich gegen die Atomkraft, gegen die Gentechnik, gegen den Irak-Krieg und auch gegen den Studentenfeind Nr. 1 - die Studiengebühren! Ihr Anliegen wird mit einem Eifer und einer Energie vorangetragen, als befinde man sich mitten im Kulturkampf. Das Aktionsbündnis gegen Studiengebühren versammelt unter ihrem Namen nahezu 100 gleichgesinnte Organisationen. Der Sympatisant (Marke: dagegen) kann darüber hinaus Broschüren, Plakate, Postkarten u.ä. über eine Bestellmaske ordern, um sich werbewirksam im Meinungskampf durchzusetzen!
Hier sind meine Fragen: Warum bildet sich keine studentische Initiative für Studiengebühren? Müssen wir Probleme, Herausforderungen u.ä. immerfort negativ definieren, statt sie positiv anzugehen, frei nach dem Motto: Hauptsache dagegen? Wo bleibt der kreative studentische Eifer gegen die "Gegenmaßnahme", die Lust an einer konstruktiven Kampagne mit Verbesserungsvorschlägen, pfiffigen Ideen und guten Konzepten? Nicht, dass ich ein ultra-liberaler Vertreter hoher, unsozialer Studiengebühren wäre. Aber ein offen zutage tretener Geldmangel gepaart mit dem Anspruch auf akademische Spitzenforschung und -lehre wirft Fragen auf, die es zu beantworten gilt und das geht nicht mit einem "Ich-will-von-allem-am-meisten-und-das-umsonst!".
Gerade bei den Geistes- und Sozialwissenschaften hat sich hier eine gewisse Apathie breit gemacht. Angesichts des Unvermeidbaren will man es zumindest nicht verpasst haben DAGEGEN gewesen zu sein. Sollen doch die Professoren um Ihre von leeren öffentlichen Kassen bedrohten Institute und Fachbereiche kämpfen, wir sind im Namen einer gerechten Sache unterwegs! Das klingt eher nach Spaßgesellschaft als verantwortungsbewusster "Generation Reform".
Hier sind meine Fragen: Warum bildet sich keine studentische Initiative für Studiengebühren? Müssen wir Probleme, Herausforderungen u.ä. immerfort negativ definieren, statt sie positiv anzugehen, frei nach dem Motto: Hauptsache dagegen? Wo bleibt der kreative studentische Eifer gegen die "Gegenmaßnahme", die Lust an einer konstruktiven Kampagne mit Verbesserungsvorschlägen, pfiffigen Ideen und guten Konzepten? Nicht, dass ich ein ultra-liberaler Vertreter hoher, unsozialer Studiengebühren wäre. Aber ein offen zutage tretener Geldmangel gepaart mit dem Anspruch auf akademische Spitzenforschung und -lehre wirft Fragen auf, die es zu beantworten gilt und das geht nicht mit einem "Ich-will-von-allem-am-meisten-und-das-umsonst!".
Gerade bei den Geistes- und Sozialwissenschaften hat sich hier eine gewisse Apathie breit gemacht. Angesichts des Unvermeidbaren will man es zumindest nicht verpasst haben DAGEGEN gewesen zu sein. Sollen doch die Professoren um Ihre von leeren öffentlichen Kassen bedrohten Institute und Fachbereiche kämpfen, wir sind im Namen einer gerechten Sache unterwegs! Das klingt eher nach Spaßgesellschaft als verantwortungsbewusster "Generation Reform".
Frank Walzel - 14. Nov, 19:14
































Zweischneidiges Schwert
damit abfinden müssen wird, dass Studiengebühren nunmal kommen, kann man
auch gleich dafür sein...
Aber mal im Ernst: Natürlich haben Sie einerseits recht, dass die Studenten
(und Hochschulen!) in Zeiten der Geldknappheit umdenken müssen. Das
bedeutet in der Konsequenz aber, dass das Studienfach marktfähiger
gestaltet werden muss - und da haben Geisteswissenschaftler vermutlich
einfach schlechtere Karten, weil der Markt das nuneinmal so nicht hergibt. Damit
argumentiert man dann jenen in die Tasche, die ohehin am liebsten alle nicht
marktfähigen Fächer abschaffen würden. Ok, zugegeben, auch Geisteswissenschaftler
könnten sich endlich besser vermarkten lernen - gerade auch die Damen und
Herren im Elfenbeinturm.
Ich bin allerdings der Ansicht, dass man nicht alles nur auf marktfähig begrenzen
sollte, dass es auch immer die Querdenker geben sollte, damit auch mal neue Ideen
aufkommen.
Das ist die eine Seite der Diskussion.
Die andere ist, dass auch so schon nur noch 12 % aus sogenannten bildungsfernen
Schichten studieren, die, das kann ich Ihnen aus eigener Erfahrung sagen, durch
Studiengebühren noch zusätzlich abgeschreckt würden - einfach weil die Motivation
von zu Hause dann noch geringer ist. Sicherlich lassen sich auch hier Lösungen
finden, ein ausgefeilteres Stipendiensystem etwa - aber auch dafür braucht
es Gelder. Außerdem bedingt die Bildungsferne des Elternhauses zusätzlich, dass
viele solcher Möglichkeiten erst gar nicht bekannt sind. Ich finde es daher erschreckend,
dass Studiengebühren solchen Leuten den Hochschulzugang erschweren sollen.
Andererseits ist es wohl immer noch so, dass die Eliten, vor allem in der
Wirtschaft, häufig aus der eigenen Schicht rekrutiert werden. Studiengebühren
würden meiner Meinung nach diesen Gegensatz noch verschärfen.
Ich gebe Ihnen allerdings recht, dass die Lamenti nicht viel bringen und das
es Zeit ist, sich Alternativen zu überlegen und Eigeninitiative zu entwickeln.
Das sollte jedoch nicht bedeuten, dass der Staat gänzlich aus seiner
Verantwortung entlassen wird!
Ich denke, Geisteswissenschaftler sollten ihre eigene Strategie ausarbeiten und selbstbewusst auftreten, dann können sie es zu etwas bringen - erwiesenermaßen!