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Treffende Worte
Treffender als Sie, Herr Widmer, hätte man es...
unternehmensgeist - 16. Nov, 17:03
Argumente müssen...
In dieser Sache gibt es, so denke ich, einen großen...
unternehmensgeist - 8. Nov, 11:43
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unternehmensgeist - 26. Sep, 18:38

Grundeinkommen für alle - und schon geht's bergauf?

Durch das Lesen anderer Blogs stößt man in den Blogrolls bzw. Linklisten auf sehr eigenwillige "rebellische" Interessengruppen, so wie die Initiative "Freiheit statt Vollbeschäftigung". Die Forderungen sind radikal (Aufmerksamkeit ist ein teures Gut!), aber auch nicht völlig von der Hand zu weißen. Um die persönliche Meinung gegen den Strich zu bürsten und ein bisschen ins Grübeln zu kommen, sind sie aber allemal gut.

Wie es sich für eine Gruppe mit politischem und volkswirtschaftlichem Anliegen gehört, haben sie ihre Kernbotschaft in Thesen und Forderungen zusammengepackt:

Thesen der Initiative "Freiheit statt Vollbeschäftigung"

1. Arbeitsleistung zur Grundlage der Teilhabe am Wohlstand zu machen, ist gerecht, solange Wohlstand überwiegend durch menschliche Arbeitskraft erzeugt wird. Heute aber wird menschliche Arbeitskraft mehr und mehr durch „Maschinen“ (Automaten, Computersoftware) ersetzt. Halten wir dennoch an der ausschließlichen Verteilung von Einkommen über Arbeitsleistung fest, führt das entweder zu steigender Arbeitslosigkeit oder zu sinkenden Einkommen.

2. Der Wohlstand unseres Landes ist der Wohlstand aller Bürger. Er geht auf die Leistungen aller Bürger zurück, auch auf die Leistungen vorangehender Generationen. Deshalb gebietet es die Gerechtigkeit, alle Bürger an diesem Wohlstand zu beteiligen.

3. Unser Wohlstand ist das Ergebnis erfolgreicher Innovationen. Innovationen steigern die Produktivität und befördern die Wertschöpfung: Sie ermöglichen es, Arbeitsabläufe zu automatisieren und menschliche Arbeitskraft einzusparen.
Arbeitslosigkeit ist kein Zeichen von Armut, sondern ein Ausdruck der Produktivität und des Vermögens unseres Landes.

4. Verzicht auf Innovationen ist Verzicht auf Wohlstand und damit auf Freiheit von unnötiger Arbeit. Freiheit der Bürger ist auch Freiheit von unnötiger Arbeit, die durch programmierbare Automaten verrichtet werden kann.

5. Arbeitslose und Sozialhilfeempfänger zur Arbeit zu zwingen, mißtraut ihrer Gemeinwohlbindung und schränkt die bürgerlichen Freiheiten ein.

6. Das Festhalten am Ziel der Vollbeschäftigung hat zur Folge, daß Arbeitslose und Arbeitnehmer für die wirtschaftliche Produktivität unseres Landes bestraft werden. Sie werden gezwungen, ihre Arbeitskraft zu sinkenden Löhnen und Gehältern bei reduzierter sozialer Absicherung zu verkaufen, obwohl ihre Arbeitskraft nicht mehr benötigt wird.

7. Das Festhalten am Ziel der Vollbeschäftigung hat zur Folge, daß Bürger – ohne Not – dauerhaft zu Tätigkeiten gezwungen werden, die automatisierbar sind. Automatisierbare Arbeit ist ersetzbare Arbeit; ersetzbare Arbeit kann nicht sinnstiftend sein. Das Festhalten am Ziel der Vollbeschäftigung geht somit für eine steigende Anzahl von Bürgern mit dem Verlust beruflicher Sinnstiftung einher.

8. Das Festhalten am Ziel der Vollbeschäftigung zieht eine Verschwendung von Lebenszeit der Bürger nach sich, weil sie an geisttötende, unwürdige Arbeiten gebunden werden. Die Zeit wird sinnlos „abgesessen“ und kann nicht für sinnvolle Tätigkeiten genutzt werden; die Würde des Menschen wird mißachtet.

9. Wenn Würde und Integrität von Menschen nicht mehr die oberste Richtschnur politischer Entscheidung sind, wird das politische Gemeinwesen in seinen Grundfesten erschüttert.


Wir schlagen vor:

Ein bedingungsloses Grundeinkommen für alle Bürger ...

... stärkt die Familie. Sie kann sich der Erziehung und der Fürsorge für ihre Kinder widmen, ohne sich um ihre Einkommenssicherung zu sorgen.

... fördert Innovation in allen gesellschaftlichen Bereichen und ermöglicht die dazu erforderliche Muße. Innovative Ideen können frei entwickelt werden, ohne daß sie vom Absatz an einem Markt abhängig sind.

... stärkt die Unternehmen. Sie können automatisieren, ohne sich Sorgen um entlassene Mitarbeiter zu machen. Sie können auf leistungsbereite Mitarbeiter setzen, denn Erwerbsarbeit wird freiwillig geleistet.

... stärkt die Volkswirtschaft. Unproduktive Industrien und Wirtschaftszweige müssen nicht mehr subventioniert werden.

... ermöglicht einen umfassenden Abbau von Bürokratie, auch in den Sozialsystemen. Ein bedingungsloses Grundeinkommen ersetzt weitestgehend bestehende Sozialleistungen.

Ein bedingungsloses Grundeinkommen für alle Bürger stärkt die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, und gibt ihnen die Freiheit dazu.

Ute Fischer, Stefan Heckel, Axel Jansen, Sascha Liebermann, Thomas Loer
Vanessa Dippel (anonym) - 3. Apr, 14:00

Großes Vertrauen in die Menschheit

Die Vorschläge der vier Autoren zeugen von einem sehr großen Glauben an die Leistungsbereitschaft der Menschen. Wäre super, wenn ein Grundeinkommen eine so wünschenswerte Entwicklung auslösen könnte. Ich selbst denke jedoch, dass sehr viele Menschen, die aus wirtschaftlicher Notwendigkeit heraus große Dinge schaffen, unter den skizzierten Umständen die Hände in den Schoß legen würden. Und betrachtet man sich die genialsten Geschäftsideen und Erfindungen, die unsere Gesellschaft hervorgebracht hat, so sind diese meist aus persönlicher sozialer Not oder einem ungünstigen wirtschaftlichen Umfeld heraus geboren.
Einen ähnlichen Standpunkt wie Fischer, Heckel, Jansen, Liebermann und Loer vertreten übrigens die Autoren von "Wir kündigen" im Kapitel "Arbeit" (Felixberger, Deckstein, Lotter, Gleich; erschienen bei Hanser).

Jarek (anonym) - 3. Apr, 20:17

Der Mensch ist von Natur aus Faul.

Es wäre schön, wenn es ein "dynamisches Internetlexikon" gäbe, an dem jeder mitarbeiten könnte. In dem sich langsam aber sicher Paul Feyerabends Ideal von der Erkenntnis für freie Menschen, für alle Menschen verwirklichen würde. Ein Anfang von einer Zeit, in der das Arkanuum so manch eines Ordinarien zu fallen beginnt. Die Aufklärer müssten um ihren Job bangen. Es gäbe dann schon den Aufgekärten Menschen. Und weil alles so schell geht, mit der Enstehung des Kollektivwissens für alle, könnte man das Lexikon nach der Bedeutung des hawaiianischen Wortes "Wiki" benennen.
Frank Walzel - 3. Apr, 16:46

Hauptsache Streitplätze!

In einer ruhigen Minute gefragt, ist dieser Standpunkt kaum mehrheitsfähig. Das Interessante an der Forderung aus meiner Sicht ist aber, dass sie frei von jeder Ideologie und sehr sachlich ist. In einem Diskurs mit anderen Forderungen kann auf diese Weise eine neue Streitkultur entstehen. Ob ein Grundeinkommen sinnvoll ist, bezweifle ich. Vanessa Dippels Kommentar bringt es auf den Punkt: Ohne eine spürbare Notwendigkeit mehr Leistung zu zeigen, würde das Grundeinkommen lediglich dankend angenommen und sich höchstens in einem leicht ansteigenden Konsum niederschlagen.

Als sicher kann allerdings aber gelten, dass wir mehr (sachliche) Streitplätze brauchen. Entscheidend ist hier nicht die Frage des "ob", sondern eher die des "wie". In diesem Sinne bin ich hier auf UnternehmensGeist einfach mal auf ungewöhnliche Standpunkte gespannt.

Begründetes Mißtrauen?

In den bislang hier eingestellten Kommentaren bringt sich etwas zum Ausdruck, das unsere politische Diskussion seit Jahren prägt. Seherisch beinahe wird festgestellt, daß der Einzelne sich selbstverständlich nicht engagieren würde, erhielte er ein bedingungsloses Grundeinkommen. Mit gleicher Sicherheit wird behauptet, ein solcher Vorschlag sei nicht mehrheitsfähig. Es ist gut möglich, daß er dies nicht sein wird, doch als wie aussagekräftig kann eine Einschätzung gelten, die abgegeben wird, bevor es eine ernsthafte öffentliche Debatte gegeben hat? Mir scheint diese Reserve gegenüber dem Neuen eher das Problem selbst zu sein. Denn, wer sich nicht auf neue Wege wagt, erstarrt. Zum ersten Einwand sei nur folgendes bemerkt: Würde es unser demokratisches Gemeinwesen geben, würde es sich erhalten können, ohne daß der Einzelne von sich aus einen Beitrag leistet? Wohl kaum. Das wirkliche Wolkenkuckucksheim unserer Debatten stellt das ewige Mißtrauen in den Einzelnen dar. Wir stehen uns damit selbst im Weg.
Vanessa Dippel (anonym) - 4. Apr, 14:20

Begründetes Misstrauen!

Hallo Herr Liebermann,
ich möchte ja gar nicht in Abrede stellen, dass sich der einzelne engagieren würde. Nur wofür? Vor allem hinken alle Modelle für Bürgergeld an einen bestimmten Punkt: Sie gehen davon aus, dass nach der Einführung es noch immer so viel zu verteilen gibt wie vor der Einführung. Mag ja sein, dass wenn der ganze Verwaltungsapparat für Harz IV und für Arbeitslosengeld wegfiele, genügend Geld zur Verfügung stünde, um jedem Bürger ein Grundeinkommen zu gewährleisten. Doch genau in dem Moment fiele auch für sehr viele Menschen der Druck, jeden Morgen aufzustehen und Brötchen zu verdienen. Die einen gehen dann vielleicht nur noch halb so viel arbeiten, die anderen würden sich vielleicht eine weniger anstrengende Arbeit aussuchen. Ich will mich da gar nicht von ausnehmen. Ich würde sofort sehr viel mehr Dinge tun, die nicht so gut oder gar nicht bezahlt werden: Schöngeistige Bücher schreiben beispielsweise oder Bilder malen. Ich möchte bezweifeln, dass die dann von so außerordentlicher Qualität wären, dass sie der Gemeinschaft mehr Nutzen bringen als meine jetzige Arbeit. Und mit einem Mal gibt es gar nicht mehr so viel Geld zu verteilen, denn diejenigen, die durch die neu gewonnene Freiheit nun mehr forschen und besser wirtschaften können, müssten damit nun um ein Vielfaches erfolgreicher sein als vorher. Zudem möchte ich gar nicht wissen, was ich beispielsweise dann dem Müllentsorger dafür zahlen müsste, damit der sich noch bequemt, meinen stinkigen Müll abzuholen oder der Putzfrau, dass sie noch motiviert ist, mein Büro sauber zu halten. Vielleicht irre ich mich auch und alles würde zwar anders laufen aber sehr viel besser und erfolgreicher. Man könnte das mal testen: Ein Unternehmen sagt seinen Mitarbeitern: Ok, jeder bekommt ein Grundgehalt, sagen wir die Hälfte von dem normalen Einkommen. Dafür muss niemand etwas tun. Ihr könnt kommen oder nicht. Und wer trotzdem arbeitet bekommt je nach Erfolg eine Erfolgsprämie. Mich würde wirklich interessieren, wo diese Firma nach zwei bis drei Jahren Umstellung stünde. Was würde geschehen?
Köppnick - 9. Apr, 14:09

Schwachpunkte

Ich habe ein Interview mit Herrn Liebermann eingescannt, das er Anfang des Jahres der Thüringer Allgemeinen gegeben hat, und ins Netz gestellt: Freiheit zur Muße. Ich kannte den Link auf deren Homepage nicht, dort findet man auf der Presseseite das Interview als PDF-Datei.

Die von Ihnen gelobte Ideologiefreiheit scheint mir eher einer der Schwachpunkte zu sein. Es ist doch so, dass unsere Gesellschaft vor allem darum funktioniert, weil Menschen ohne Geld gezwungen sind, ihre Arbeitskraft zu verkaufen. Der Ansatz mit dem Grundeinkommen hebt dieses Grundprinzip des Kapitalismus auf. Ich habe den Eindruck, dass den Autoren dieser Sachverhalt entweder nicht klar ist, oder sie ihn in dem Wunsch nicht anzuecken, nicht aussprechen wollen.

Der gewünschte Endzustand ist durch zwei Merkmale beschreibbar: Es wird erstens das Grundrecht jedes Menschen auf Erhaltung seiner Existenz ohne jede Vorbedingung definiert. Zweitens ist in einer solchen Gesellschaft Arbeit den Menschen ein Lebensbedürfnis. Auch das bekommt man wieder nicht ideologiefrei, denn das ist die kommunistische Zukunftsvorstellung in Reinkultur. Es gab bereits mit den sozialistischen Staaten einen Versuch, der nicht erfolgreich war, sich diesem Zustand anzunähern. Deshalb sehe ich den zweiten Schwachpunkt darin, dass die Autoren nicht klar machen, wie sie zu dem gewünschten Zustand gelangen wollen.

Für das Scheitern des Sozialismus werden vielerorts verschiedene Gründe angeführt, der tiefliegendste besteht aber meiner Meinung nach darin, dass mit einem solchen Menschenbild im Kopf die wirtschaftliche Entwicklung langsamer verläuft, als wenn man auf Gier und Egoismus setzt. Liberale und Marktwirtschaftler verbrämen das gern euphemistisch mit persönlicher Freiheit und Chancengleichheit, die aber tatsächlich niemals wirklich bestanden haben. Aber auf jeden Fall führte das bis jetzt immer dazu, dass der ökonomische Zwang des Kapitalismus durch ideologischen und manchmal auch physischen Zwang im Sozialismus ersetzt werden musste, was bekanntlich bis jetzt immer erfolglos blieb.

Ich bin trotz dieser Kritikpunkte ein Anhänger des Grundeinkommens, weil wir ja jetzt einen Punkt erreicht haben, wo ein „weiter so“ nicht mehr funktioniert. Halbwegs funktionierender Kapitalismus setzt beständiges Wachstum und eine hohe Beschäftigungsquote voraus, beide Voraussetzungen können weltweit nicht mehr erfüllt werden, Stichworte: Klimawandel, Ressourcenmangel. Die phänomenologische Beschreibung der Autoren ist deshalb zutreffend. Meine feste Überzeugung: Gelingt es uns in den nächsten Jahrzehnten als Menschheit nicht, in eine entschleunigtere Phase unserer Entwicklung zu gelangen, dann haben wir (als Hochkultur) auf diesem Planeten keine Zukunft.
Frank Walzel - 12. Apr, 14:22

Begründetes Misstrauen!

Dieser Kommentar ist die Antwort von Sascha Liebermann auf Vanessa Dippels Beitrag "Begründetes Misstrauen":

Hallo Herr Liebermann,

ich möchte ja gar nicht in Abrede stellen, dass sich der einzelne engagieren würde. Nur wofür?


Damit widersprechen Sie sich selbst. Sie wollen eben doch definieren, ob sein Beitrag auch sinnvoll wäre. Dieser Denkzentralismus verhindert ein wirklich pluralistisches Gemeinwesen. Worin jemand seine Sinnerfüllung erkennt, wie er einen Beitrag leisten will, sollten wir ihm überlassen und nicht ständig alles durch einen Gemeinwohl-TÜV zertifizieren wollen. Schon heute gäbe es viele Einrichtungen, die dem Gemeinwohl dienen gar nicht, ohne das umfangreiche ehrenamtliche Engagement.

Vor allem hinken alle Modelle für Bürgergeld an einen bestimmten Punkt: Sie gehen davon aus, dass nach der Einführung es noch immer so viel zu verteilen gibt wie vor der Einführung. Mag ja sein, dass wenn der ganze Verwaltungsapparat für Harz IV und für Arbeitslosengeld wegfiele, genügend Geld zur Verfügung stünde, um jedem Bürger ein Grundeinkommen zu gewährleisten.

Nicht das Geld ist entscheidend, sondern der Umfang an Gütern und Dienstleistungen, der den Wert des Geldes bestimmt. Davon haben wir wahrlich genug. Wieviel wir erzeugen, hängt stets davon ab, wieviel wir erzeugen wollen. Müssen wir denselben Umfang an Gütern und Dienstleistungen auch in Zukunft haben? Wozu? Sie sind kein Selbstzweck. Lebten wir bescheidener, hätten wir auch weniger "Kosten", also weniger Investitionen in Infrastruktur zu tätigen.

Doch genau in dem Moment fiele auch für sehr viele Menschen der Druck, jeden Morgen aufzustehen und Brötchen zu verdienen.

Wunderbar, ohne Arbeitshaus geht Ihrer Meinung nach eben doch nichts. Gilt dies denn auch für Sie oder nur für die "anderen"?

Die einen gehen dann vielleicht nur noch halb so viel arbeiten, die anderen würden sich vielleicht eine weniger anstrengende Arbeit aussuchen.

Und?

Ich will mich da gar nicht von ausnehmen. Ich würde sofort sehr viel mehr Dinge tun, die nicht so gut oder gar nicht bezahlt werden: Schöngeistige Bücher schreiben beispielsweise oder Bilder malen.

Eben.

Ich möchte bezweifeln, dass die dann von so außerordentlicher Qualität wären, dass sie der Gemeinschaft mehr Nutzen bringen als meine jetzige Arbeit.

Das können Sie ja im voraus nicht wissen.

Und mit einem Mal gibt es gar nicht mehr so viel Geld zu verteilen, denn diejenigen, die durch die neu gewonnene Freiheit nun mehr forschen und besser wirtschaften können, müssten damit nun um ein Vielfaches erfolgreicher sein als vorher.

Sie "müßten" nicht, sie können, wenn sie es wollen.

Zudem möchte ich gar nicht wissen, was ich beispielsweise dann dem Müllentsorger dafür zahlen müsste, damit der sich noch bequemt, meinen stinkigen Müll abzuholen oder der Putzfrau, dass sie noch motiviert ist, mein Büro sauber zu halten.

Hier unterstellen Sie, heute wäre dies alles auf einfache Weise sichergestellt. Müllentsorgungs- und Reinigungspersonal gibt es nur, weil sich Menschen bereit erklären, diese Aufgabe zu übernehmen, gezwungen werden sie nicht.

Vielleicht irre ich mich auch und alles würde zwar anders laufen aber sehr viel besser und erfolgreicher.

Ganz sicher würde es das.

Man könnte das mal testen: Ein Unternehmen sagt seinen Mitarbeitern: Ok, jeder bekommt ein Grundgehalt, sagen wir die Hälfte von dem normalen Einkommen.

Das ist nicht Sache eines Unternehmens, sondern eine politische Frage. Das Grundeinkommen ist kein Grund-"Gehalt". Das Grundeinkommen erhalten die Bürger ohne Verpflichtung zur Gegenleistung. Ein Unternehmen muß notwendigerweise eine Gegenleistung von Ihnen verlangen. Weshalb nicht politisch alles dafür in die Wege leiten?

Jorges (anonym) - 28. Apr, 22:26

Materieller Anreiz

Immer wieder heißt es, bei einem Grundeinkommen gäbe es keinen materiellen Anreiz für Arbeit mehr. Aber das stimmt ja nicht. Wer weiter arbeiten würde, würde zum Grundeinkommen obendrauf noch Lohn bekommen - also nicht nur 1500 EUR sondern vielleicht 2000 EUR zur Verfügung haben. Damit könnte er sich schon spürbar mehr leisten.
Gleichzeitig könnten viele Arbeitsplätze billiger werden: Kostet der Müllmann heute 2000 EUR, könnten nun 500 EUR reichen - zusammen mit dem Grundeinkommen kommt er ja wieder auf 2000 EUR. Trotzdem würde er wahrscheinlich arbeiten, sonst müsste er auf 500 EUR verzichten. (Oder wieviele Arbeitnehmer würden heute auf 500 EUR im Monat verzichten? Ich glaube, nur wenige.)

Köppnick - 29. Apr, 06:53

Richtig!

Es gibt aber viele zusätzliche Effekte, die bei Einführung eines Grundeinkommens parallel laufen.
  • Veränderung der Einkommensverteilung. Praktisch bedeutet das Grundeinkommen, dass der Unterschied zwischen sehr niedrigen und sehr hohen Einkommen bzw. Vermögen sich verringert.
  • Veränderungen des Steuerrechts. Diese bewirken Verhaltensänderungen bei allen Beteiligten. Wenn man dem Vorschlag von Herrn Werner folgt, verbleibt nur die Mehrwertsteuer. Siehe zu diesem Thema den Kommentar von Herrn Gruber, er ist der dritte von oben.
  • Formal erhält der Müllmann noch denselben Lohn, aber der Druck von Seiten der Arbeitgeber auf ihn fällt prozentual, weil die mögliche Aufgabe seiner Tätigkeit ihn nur einen Teil seines Einkommens kostet. Die Arbeitgeber müssten ihm also für diese nicht gerade erstrebenswerte Arbeit entweder mehr Lohn zahlen, oder die Arbeitsbedingungen attraktiver machen. Im Gegenzug verringern sich die Verdienstmöglichkeiten vieler Besserverdiener, weil die Gesamtmenge des zu Verteilenden natürlich der Gesamtmenge des Produzierten entspricht.
Wie bei jeder Veränderung gesellschaftlicher Bedingungen gibt es also auch hier Gewinner und Verlierer. Unter diesem Gesichtspunkt sind die Argumente der Befürworter und Ablehner zu betrachten.

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