Geistreich die Öffentlichkeit bearbeiten
Eine der wenigen Einfallstore für geisteswissenschaftliche Absolventen ist seit jeher die Unternehmenskommunikation. Als eine der wenigen Bereiche in einem Industrie-/Wirtschaftsunternehmen wirbt sie gezielt Geisteswissenschaftler an. Welche Qualifikationen kommen ihnen für diesen Unternehmensbereich zugute? Könnten "geistreiche" Betriebswirte nicht ein genaueres Bild der Firma in der Öffentlichkeit kommunizieren?
Wer die Klischees nicht schon vor dem Studium kannte, wird spätestens nach dem ersten Semester eines besseren belehrt: Geisteswissenschaftler haben einen Hang zu blumigen Worten, dicken Büchern und dem Feuilleton der ZEIT; BWLer hingegen entwicklen eine Vorliebe für Studienbücher mit vielen Übersichtstabellen, dem Wirtschaftsteil des Handelsblatt und kurzen, prägnanten Sätzen. Ist man nach den eigenen Beobachtungen und abfälligen Bemerkungen an der jeweiligen "Gruppe" nicht überzeugt, sorgen Hochschulmagazine pünktlich zu jedem Wintersemester für die Normierung althergebrachter Studentenmärchen (dass es auch anders geht zeigt das unimagazin). Und da sich Inhalte dem menschlichen Gehirn durch Wiederholungen besonders gut einprägen, ist es keinem zu verübeln, wenn die textproduzierende Unternehmenskommunikation ein Auge auf die "Nicht-BWLer" wirft.
Der gedankliche Schluss scheint einleuchtend: Geisteswissenschaftler arbeiten überwiegend mit einer Unmenge an Literatur, also müssen/sollten sie über ein hohes Maß an Textverständnis verfügen. Denn wer die meiste Zeit seines Studiums vertrackte, wissenschaftliche Satzkonstrkutionen und Sachverhalte knacken muss, sollte doch schließlich schreiben können - egal für wen. BWLer, so die gängige Meinung, würden zu solchen Leistungen nie gefordert, ergo wären sie auch ungeschickter in Schrift und Wort. So weit, so gut. Doch an diesem Punkt reißt die Argumentationskette.
Es wird von niemandem bestritten, dass in beiden Lagern idealtypische Vertreter zu finden sind, die alte Bilder hochhalten. Entscheidend für die spätere Arbeit in der Unternehmenskommunikation ist jedoch die Bereitschaft, sich in verschiedene Sachverhalte schnell und gründlich einzuarbeiten und diese nach journalistischen Grundsätzen zu kommunizieren. Dem Geisteswissenschaftler mögen seine vielen Stunden der Lektüre dabei ein Vorteil sein; die Kunst, für verschiedene Adressaten verständlich und interessant zu schreiben, ist allerdings keine Domäne der "Buchwissenschaften". Sie ist vielen Unkenrufen zum Trotz ein Handwerk, das viel Übung bedarf. Genau betrachtet hat jede Gruppe für sich an eigenen Schwächen zu arbeiten: Geisteswissenschaftler müssen sich angewöhnen, knapp und präzise zu formulieren; BWLer stehen vor der ungewohnten Aufgabe, Sprache mit einem kritischeren Blick zu sehen. Beim schriftlichen Ausdruck können somit beide mit unterschiedlichen Stärken punkten.
Nicht viel anders sieht es bei den "Soft Skills" aus. Powerpiontpräsentationen gehören in beiden Studienrichtungen genauso zum festen Bestandteil der akademischen Ausbildung, wie die selbstständige Arbeit an Studienprojekten. Über divergierende Details ließe sich trefflich streiten; die hohen Anforderungen an das "Eigen-Marketing" in nahezu allen Studienfächern lassen eine Diskussion aber unsinnig erscheinen. Die Unterschiede - dies sollte herausgestellt werden - sind im Ringen um Arbeitsplätze in der Unternehmenskommunikation weitaus geringer als man annehmen möchte. Geisteswissenschaftler besitzen kein exklusives Bewerberprofil, das nicht auch von BWLern in Anspruch genommen werden könnte. Alle Bewerber müssen den Nachweis einer schriftlichen und mündlichen Kommunikationskompetenz nachweisen. BWLer wie Geisteswissenschaftler bewegen sich dabei aus unterschiedlichen Richtungen auf das gleiche Ziel zu.
Wer die Klischees nicht schon vor dem Studium kannte, wird spätestens nach dem ersten Semester eines besseren belehrt: Geisteswissenschaftler haben einen Hang zu blumigen Worten, dicken Büchern und dem Feuilleton der ZEIT; BWLer hingegen entwicklen eine Vorliebe für Studienbücher mit vielen Übersichtstabellen, dem Wirtschaftsteil des Handelsblatt und kurzen, prägnanten Sätzen. Ist man nach den eigenen Beobachtungen und abfälligen Bemerkungen an der jeweiligen "Gruppe" nicht überzeugt, sorgen Hochschulmagazine pünktlich zu jedem Wintersemester für die Normierung althergebrachter Studentenmärchen (dass es auch anders geht zeigt das unimagazin). Und da sich Inhalte dem menschlichen Gehirn durch Wiederholungen besonders gut einprägen, ist es keinem zu verübeln, wenn die textproduzierende Unternehmenskommunikation ein Auge auf die "Nicht-BWLer" wirft.
Der gedankliche Schluss scheint einleuchtend: Geisteswissenschaftler arbeiten überwiegend mit einer Unmenge an Literatur, also müssen/sollten sie über ein hohes Maß an Textverständnis verfügen. Denn wer die meiste Zeit seines Studiums vertrackte, wissenschaftliche Satzkonstrkutionen und Sachverhalte knacken muss, sollte doch schließlich schreiben können - egal für wen. BWLer, so die gängige Meinung, würden zu solchen Leistungen nie gefordert, ergo wären sie auch ungeschickter in Schrift und Wort. So weit, so gut. Doch an diesem Punkt reißt die Argumentationskette.
Es wird von niemandem bestritten, dass in beiden Lagern idealtypische Vertreter zu finden sind, die alte Bilder hochhalten. Entscheidend für die spätere Arbeit in der Unternehmenskommunikation ist jedoch die Bereitschaft, sich in verschiedene Sachverhalte schnell und gründlich einzuarbeiten und diese nach journalistischen Grundsätzen zu kommunizieren. Dem Geisteswissenschaftler mögen seine vielen Stunden der Lektüre dabei ein Vorteil sein; die Kunst, für verschiedene Adressaten verständlich und interessant zu schreiben, ist allerdings keine Domäne der "Buchwissenschaften". Sie ist vielen Unkenrufen zum Trotz ein Handwerk, das viel Übung bedarf. Genau betrachtet hat jede Gruppe für sich an eigenen Schwächen zu arbeiten: Geisteswissenschaftler müssen sich angewöhnen, knapp und präzise zu formulieren; BWLer stehen vor der ungewohnten Aufgabe, Sprache mit einem kritischeren Blick zu sehen. Beim schriftlichen Ausdruck können somit beide mit unterschiedlichen Stärken punkten.
Nicht viel anders sieht es bei den "Soft Skills" aus. Powerpiontpräsentationen gehören in beiden Studienrichtungen genauso zum festen Bestandteil der akademischen Ausbildung, wie die selbstständige Arbeit an Studienprojekten. Über divergierende Details ließe sich trefflich streiten; die hohen Anforderungen an das "Eigen-Marketing" in nahezu allen Studienfächern lassen eine Diskussion aber unsinnig erscheinen. Die Unterschiede - dies sollte herausgestellt werden - sind im Ringen um Arbeitsplätze in der Unternehmenskommunikation weitaus geringer als man annehmen möchte. Geisteswissenschaftler besitzen kein exklusives Bewerberprofil, das nicht auch von BWLern in Anspruch genommen werden könnte. Alle Bewerber müssen den Nachweis einer schriftlichen und mündlichen Kommunikationskompetenz nachweisen. BWLer wie Geisteswissenschaftler bewegen sich dabei aus unterschiedlichen Richtungen auf das gleiche Ziel zu.
Frank Walzel - 13. Jul, 12:07
































Hilft uns Philosophie?
die Frage, führen solche philosophischen Betrachtungen weiter? Mir als Betriebswirt
(irgendetwas stimmt mit deinem Texteingabefenster nicht, ich schreibe immer über
den Rand) könnte natürlich Voreingenommenheit vorgeworfen werden. Ich gebe Dir
Recht, wichtig ist es, komplexe Sachverhalte zu erfassen und sie dann nicht mehr so
komplex zu vermitteln. Daneben, dies meine Erfahrung aus 20 Jahren PR, ist es allerdings,
dass es immer wichtiger wird, auch betriebsrelevante Fakten in "Geschichten" zu verpacken, also
Emotionen zu erzeugen. Nicht ohne Erfolg praktizieren dies die großen NGOs ja seit
Jahren. Wenn es darüber hinaus darum geht, Themen in der Medienwelt zu setzen,
ist auch hier ein Erfassen von der Wirkungsweise öffentlicher Kommunikationsströme
und dem Funktionieren von Massenmedien wichtig. Lernt man dies in BWL oder nicht doch eher
in einem geisteswissenschaftlichen Studium der Publizistik oder Kommunikationswissenschaft?
Also meines Erachtens ist eine Symbiose beide Welten sinnvoll, um effektiv und
erfolgreich PR oder Unternehmenskommunikation zu betreiben.
Zu viel Geist, zu wenig Wirtschaft
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