Angelsächsische Unternehmen als Geheimtipp?
Geistes- und Sozialwissenschaftler trifft es doppelt hart. Nicht nur, dass das familiäre Umfeld schon von Beginn an bei den "exotischen" Studienfächern abgewunken hat; das Spiel beginnt auf ein Neues, wenn der Student/Absolvent seine Arbeit nicht mehr nach seinen Professoren, sondern nach den Personalern ausrichtet. Mit einer kleinen Abänderung: Zu dem "Fachfremden-Malus" gesellt sich meist eine leicht abwertende Haltung gegenüber Abschlüssen wie dem Magister hinzu. Gerade in Deutschland, einem Land in dem Titel noch gepflegt und hierarchisiert werden, scheint das "Standing" der Geistes- und Sozialwissenschaftler (schlimmstenfalls M.A.) besonders schlecht zu sein.
Andere Länder, besonders das angelsächsische Ausland, scheinen hier offener für wirtschaftsferne Studiengänge und Abschlüsse. Ich komme zu dieser Ansicht, da ich mich vor ein paar Monaten mit einer Head-Hunterin für Führungskräfte unterhielt und sie zu meinen Chancen als Politik- und Geschichtswissenschaftler in der Wirtschaft befragte. Eine Ihrer Kernaussagen war, dass angelsächsische Unternehmen in Deutschland (!) toleranter und offener gegenüber GSWlern wären. Grund dafür sei, eine liberalere Unternehmenskultur, die Quereinsteiger in die Wirtschaft gezielt anspreche und auch anwerbe. Um erste Kontakte zu knüpfen, riet sie mir Mitglied in der Deutsch-Amerikanischen Handelskammer zu werden.
Mir war bekannt, dass es nichts Ungewöhnliches in GB oder den USA war, als Theologe oder Philosoph in einem Wirtschaftsunternehmen zu arbeiten. Die nötige kaufmännische Grundbildung erfolgte meist im ersten Jahr. Es erstaunte mich jedoch, dass diese Praxis wohl auch in Deutschland zur Anwendung kam. Zu meiner Verwunderung ließ sich allerdings weder in der einschlägigen Literatur noch im Internet dazu finden. Alles doch nur Humbug? Sind angelsächsische Unternehmen nicht auch an die Gepflogenheiten des deutschen Arbeitsmarkts gebunden? Was, wenn dem so ist und was bedeutet das für die persönliche Bewerbungsstrategie?
Andere Länder, besonders das angelsächsische Ausland, scheinen hier offener für wirtschaftsferne Studiengänge und Abschlüsse. Ich komme zu dieser Ansicht, da ich mich vor ein paar Monaten mit einer Head-Hunterin für Führungskräfte unterhielt und sie zu meinen Chancen als Politik- und Geschichtswissenschaftler in der Wirtschaft befragte. Eine Ihrer Kernaussagen war, dass angelsächsische Unternehmen in Deutschland (!) toleranter und offener gegenüber GSWlern wären. Grund dafür sei, eine liberalere Unternehmenskultur, die Quereinsteiger in die Wirtschaft gezielt anspreche und auch anwerbe. Um erste Kontakte zu knüpfen, riet sie mir Mitglied in der Deutsch-Amerikanischen Handelskammer zu werden.
Mir war bekannt, dass es nichts Ungewöhnliches in GB oder den USA war, als Theologe oder Philosoph in einem Wirtschaftsunternehmen zu arbeiten. Die nötige kaufmännische Grundbildung erfolgte meist im ersten Jahr. Es erstaunte mich jedoch, dass diese Praxis wohl auch in Deutschland zur Anwendung kam. Zu meiner Verwunderung ließ sich allerdings weder in der einschlägigen Literatur noch im Internet dazu finden. Alles doch nur Humbug? Sind angelsächsische Unternehmen nicht auch an die Gepflogenheiten des deutschen Arbeitsmarkts gebunden? Was, wenn dem so ist und was bedeutet das für die persönliche Bewerbungsstrategie?
Frank Walzel - 18. Aug, 17:32
































Beispiele für GSWler in Wirtschaftsunternehmen
Es gibt aber auch negative Beispiele - ich unterhielt mich mal mit einem Herren, der im Rahmen eines Buisness-Plan-Wettbewerbs Buisnesspläne beurteilte und nach eigenem Bekunden fünf Jahre gebraucht habe, seine geisteswissenschaftliche Ausbildung (Geschichte und Philosophie), die ihm fast peinlich zu sein schien, abzustreifen. Ich hatte allerdings den Eindruck, das abstreifen hatte er sehr gründlich gemacht....
Stellt sich noch die Frage: Wie definiert man eigentlich ein Wirtschaftsunternehmen? Letztendlich ist Wirtschaft ja keine andere Welt, sondern wir alle bewegen uns in der Wirtschaft und jeder noch so „kleine“ Selbständige ist ein Wirtschaftsunternehmer – also auch Unternehmen im privaten Kultursektor....
Von den "Hard" zu den "Soft Economics"
Simone Janson sprach dazu eine weitere Schwierigkeit an. Betriebswirtschaftliche Kenntnisse werden selbst von privaten Konsumenten als "Wirtschaftsunternehmer" immer mehr gefordert. Nichts anderes gilt für "weiche Branchen" (s.o.), bei denen knappe Budgets schon seit Jahren an der Tagesordnung sind. Weniger Umsätze/Einnahmen müssen eben umso sorgsamer verwaltet werden.
Auf der Seite der "harten Branchen" der Wirtschaft hat sich aber auch einiges getan. In einem Artikel sprach Bernd Rasche in der Süddeutschen Zeitung vom 19.11.1995 von dem "Ende der Hard Economics" in Wirtschaftsunternehmen. Neben betriebswirtschaftlichen Kenntnissen würden kulturwissenschaftliche Schlüsselkompetenzen mehr und mehr an Bedeutung gewinnen und einen Wechsel hin zu den "Soft Economics" nötig machen.
Wie es aussieht, führen also der Homo Oeconomicus und Homo Sociologicus in Unternehmen schon seit geraumer Zeit angeregte Gespräche. Dass dabei die ökonomische Sicht letzendlich die Oberhand behält erklärt sich aus dem Daseinszweck von Unternehmen, eine stärkere Ausrichtung auf geistes- und sozialwissenschaftliche Fragestellungen kann aber bis heute nicht als abgeschlossen gelten. "Die Wirtschaft" wird sich in diesem Punkt in "softe" und "harte" Unternehmen aufteilen. Für GSWler gilt es da die "harte" Spreu vom "weichen" Weizen zu trennen.