Generation Angst - Studenten und die Zukunft
Viele Studien kann man ja getrost mit Nichtbeachtung bestrafen. Die Jugendstudie von Manager Magazin und McKinsey zur Befindlichkeit der Studenten-"Generation 05" hält aber die ein oder andere Überraschung bereit: Die Grundstimmung der Jungakademiker passt sich wohl eher der gefühlten Stimmung im Lande an und die ist pessimistisch!
- Den größten Wert auf soziale Anerkennung legen - wir ahnen es alle - die Betriebswirte.
Studierende der Wirtschaftswissenschaften streben gegenüber dem Durchschnitt deutlich stärker nach Anerkennung der eigenen Leistung, nach einer Führungsposition beziehungsweise der Übernahme von Verantwortung und Möglichkeiten der Weiterbildung; auffallend weniger häufig betrachten sie das ausgewogene Verhältnis von Arbeit und Privatleben als sehr wichtig. Auch die Einstufung von hohem Einkommen und Prestige der Position liegt in dieser Gruppe erheblich über der aller Studierenden.
- Was die Breitschaft zum Jobwechsel angeht zeigen sich Juristen und Naturwissenschaftler am behäbigsten. BWLer sind da etwas flinker. Geistes- und Sozialwissenschaftler sind wahrscheinlich gar nicht aufgeführt, weil sie von der ersten Stunde ihres Berufes den Wechsel (zur Sicherheit) im Hinterkopf haben.

Eine ähnlich große Gruppe (14 Prozent) wie diejenige, die an einen dauerhaften Verbleib in ihrem Beruf glaubt, hält sogar "häufige" Berufswechsel für wahrscheinlich. Knapp ein Sechstel (16 Prozent) vermag hierzu keine Einschätzung abzugeben. Juristen und Naturwissenschaftler unter den Studierenden sehen sich überdurchschnittlich häufig für das ganze Erwerbsleben im selben Beruf, während Wirtschaftswissenschaftler vermehrt den einen oder anderen Berufswechsel antizipieren.
- Das Thema Selbstständigkeit scheint Abwehrreaktionen bei Geistes- udn Sozialwissenschaftlern auszulösen. Wieder einmal sind die BWLer unternehmungslustiger.
Rund ein Viertel betrachtet eine solche Option[die Selbstständigkeit] immerhin noch als Notlösung (24 Prozent), rigoros ablehnend äußern sich nur 13 Prozent, darunter vergleichsweise häufiger die Naturwissenschaftler sowie die Geistes- und Sozialwissenschaftler, aber auch die Jüngsten und die Studentinnen. Wirtschaftswissenschaftler hingegen planen sogar zu 19 Prozent eine selbständige Existenz ein, für 42 Prozent käme diese Alternative zur abhängigen Beschäftigung zumindest in Frage, für weitere 24 Prozent auch noch als Notlösung.
- Obwohl ich immer wieder lese, dass eine große Mehrheit der Absolventen nicht ins Ausland gehen will, sehen sich wohl auch viele aufgrund der wirtschaftlichen Lage dazu gezwungen.

Die überraschend große Bereitschaft, die berufliche Existenz gegebenenfalls ins Ausland zu verlegen, hängt offenbar mit verbreiteten Zweifeln zusammen, ob man für sich von einer gesicherten Zukunft in Deutschland ausgehen kann. Die Meinungen hierzu sind gespalten: 40 Prozent hegen eher zuversichtliche Zukunftserwartungen, einige mehr hingegen, nämlich 44 Prozent, rechnen eher mit dem Gegenteil. 15 Prozent können oder wollen sich hier nicht festlegen. Die Studentinnen (53 Prozent) sind deutlich pessimistischer als die Studenten (35 Prozent). Im Vergleich der verschiedenen Fachrichtungen äußern sich die Juristen am zuversichtlichsten (52 Prozent Optimisten zu 39 Prozent Pessimisten), am skeptischsten die Wirtschaftswissenschaftler (31 Prozent Optimisten zu 59 Prozent Pessimisten).
- Enttäuscht hat mich ein wenig das negative Bild der befragten Studenten über Deutschlands Manager. Wollen die Kritiker nicht irgendwann einmal selbst Verantwortung tragen, egal ob in der Wirtschaft, Gesellschaft oder in der Politik?

Das deutschlandkritische Bild der Befragten setzt sich fort in der Bewertung der deutschen Manager. Die Liste der Negativ-Eigenschaften, die von den Studierenden hervorgehoben werden (trifft "voll und ganz" oder "überwiegend" zu), ist länger als die der positiven. 71 Prozent halten die deutschen Manager für "überbezahlt", 62 Prozent stimmen der Charakterisierung zu, sie seien nur auf den eigenen Vorteil bedacht. Von 45 Prozent wird zwar das internationale Niveau anerkannt, 39 Prozent stellen aber zugleich auch Überforderung fest.
Frank Walzel - 13. Dez, 19:45































