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Das interdisziplinäre Business-Weblog UnternehmensGeist steht allen offen, die sich mit Fragen rund um das Verhältnis von Geistes- und Sozialwissenschaften und betriebswirtschaftlichem Management beschäftigen wollen. Eigene Beiträge und Kommentare sind jederzeit willkommen. Herausgeber und ViSdP ist Frank Walzel. Kontakt: walzel@unternehmensgeist.net

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Treffender als Sie, Herr Widmer, hätte man es...
unternehmensgeist - 16. Nov, 17:03
Argumente müssen...
In dieser Sache gibt es, so denke ich, einen großen...
unternehmensgeist - 8. Nov, 11:43
Alles lesenswert
Vielen Dank für den netten Nachtrag zum Wirtschaftsbuchpreis,...
unternehmensgeist - 6. Nov, 19:19
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Bei dem Wort "Unterbewusstseinssteuerun g" zuckt das...
unternehmensgeist - 13. Okt, 09:40
Vernetzung bei Führungsthemen
Es freut mich im Internet auf Menschen zu treffen,...
unternehmensgeist - 26. Sep, 18:38

Grundsatz-Artikel

Donnerstag, 16. November 2006

UnternehmensGeist in der heißen Bewerbungsphase

Nahezu jeder, der in Deutschland zur Kategorie Arbeitnehmer gehört, musste sich ihr einmal stellen, der Bewerbungsphase. Als geistes- und soziawissenschaftlicher Absolvent stecke ich momentan mittendrin und arbeite an Projekten für Assessment-Center oder Vorstellungsgespräche. Das nimmt mehr Zeit in Anspruch, als ich dachte. Ich kann deshalb in der Vorweihnachtszeit nicht so viel für UnternehmensGeist.net schreiben, wie ich es gerne tun würde. Ohne ein paar anregende Lesetipps entlasse ich Sie aber dennoch nicht:

Donnerstag, 8. Juni 2006

UnternehmensGeist.net: Examensbedingte "Betriebsferien"

So sehr ich auch Themen hätte, die sich zur Diskussion eignen würden, muss ich für die nächsten drei Wochen meine gesamte Energie und Zeit meinem Magisterabschluss und den dafür notwendigen Prüfungen widmen. Für diese Zeit bis Ende Juni steht es aber jedem frei auch eigene Beitrage auf UnternehmensGeist.net zu schreiben. Dass das gar nicht so schwer ist, haben Studenten von der HU Berlin vorgemacht (s. "Immer mehr Sozialwissenschaftler in der Wirtschaft").

Wer glaubt, ich würde vom Schreiben abgehalten, weil König Fußball in Deutschland regiert, liegt (leider) falsch. Mein Timing ist in der Tat so geschickt gewählt, dass die schwierigste Prüfungsphase mit den Vorrundenspielen zusammenfällt. Da wollen wir wir mal hoffen, dass "unsere Jungs" in die Playoffs kommen, damit ich die WM auch in vollen Zügen genießen kann.

Zum Schluss ein kleiner Lesetipp am Rande:
Dass Geisteswissenschaftler nicht nur in der Wirtschaft zu gebrauchen sind, sondern auch die WM nach Deutschland geholt haben, zeigt die (wahr oder unwahre?) Geschichte des Titanic-Redakteurs Martin Sonneborn (s. "Der Germanist, der die Fußball-WM nach Deutschland holte"). Lustig, auf welche Weise auch Germanisten geschäftstüchtig sein können :-).

Donnerstag, 26. Januar 2006

Beratungsangebot an alle wirtschaftsinteressierten "Exoten"

Die Arbeit an dem Knowledge-Weblog UnternehmensGeist bringt es mit sich, dass ich eine Menge an Informationen über das Verhältnis von Geistes- und Sozialwissenschaften und der Wirtschaft gelesen und gehört habe. Dieses Wissen, von dem ich wahrlich nicht alles in Beiträgen oder Kommentaren unterbringen konnte, würde ich sehr gerne in einer persönlichen Form an alle Interessierten weitergeben. Angeregt durch ein ähnliches Angebot des Coachs Marcel Widmer im JobBlog biete ich auf Anfrage gerne eine Beratung. Hierzu bitte ich folgendes zu beachten:
  • Wenn es sich um grundlegende Fragen handelt, helfen meist Beiträge auf UnternehmensGeist weiter. Bei Anliegen von allgemeinem Interesse würde ich es durchaus begrüßen, wenn Ihr einen Beitrag schreibt und in diesem Euer Problem schildert.
  • Da es sich bei UnternehmensGeist um ein Knowledge-Weblog handelt, erwarte ich eine gewisse Sachlichkeit und Ernsthaftigkeit. Allgemeine Beiträge oder persönliche Anfragen, die der Netiquette nicht entsprechen, werden von mir ohne Reue gelöscht bzw. nicht beantwortet.
  • UnternehmensGeist ist dem öffentlichen Austausch und der Weitergabe von Informationen gewidmet. Ich bitte dies zu beachten, wenn Ihr auf UnternehmensGeist veröffentlicht. "Privatgespräche" zwischen zwei Autoren dienen diesem Zweck nicht.
Diese Anmerkungen sollen Euch aber nicht vom Schreiben abhalten; vielmehr sind sie gedacht als kleines Regelwerk, um jedem von Euch auf UnternehmensGeist hilfreiche Informationen und Erfahrungen bieten zu können.

Ich freue mich auf Eure Fragen und Beiträge!

Dienstag, 3. Januar 2006

Ein Bachelor für die Geistes- und Sozialwissenschaften

Wer hätte das gedacht: Unbemerkt von der (allgemeinen) Öffentlichkeit trafen sich im April vergangenen Jahres Hochschulverantwortliche und Personaler auf einer Konferenz um über den Bachelor in den Geistes- und Sozialwissenschaften zu diskutieren. Organisiert vom Stifterverband der deutschen Wirtschaft und der Universität Bayreuth als Gastgeber beriet man über Schlüsselqualifikationen, Einstiegsprogramme in der Wrtschaft und natürlich der Qualitätssicherung des noch jungen Abschlusses.

Schade nur, dass es auf der Homepage keinerlei Informationen zu den Arbeitsergebnissen und Empfehlungen der Konferenzteilnehmer gab. Es hätte sicherlich den ein oder anderen Studenten interessiert, wie denn nun Wirtschaft und Hochschule darüber denken und wie ihre Empfehlungen lauten. Derartige Veranstaltungen müssten in jährlichem Turnus stattfinden, um ein bisschen Schwung in die überfällige Debatte zu bringen. Soweit ich weiß gab es 2002 sogar eine Konferenz in Köln mit dem Namen "Fatal Attraction" nur für Geistes- und Sozialwissenschaftler, auf der die Wirtschaft diese Abolventgruppe gezielt umworben hatte.

Auch hier muss die Frage gestellt werden: Wo bleiben die Nachfolger? Wurde das Angebot wegen mangelnder Nachfrage eingestellt? Es zeugt von einem gewissen Maß an Nachlässigkeit seitens der Wirtschaft als auch der Hochschulen, dass man keine klar erkennbaren Strukturen aufbaut.

Donnerstag, 8. Dezember 2005

Wenn es denn unbedingt sein muss: Magister!

Auf der Homepgage der Karriere-Zeitschrift "high potential CHANCES" stieß ich auf äußerst unterhaltsame Ratschläge (der Titel sagt alles: "What`s hot and what`s not!"), welche Studienfächer/-abschlüsse beruflichen Erfolg versprechen und welche nicht. Soviel sei vorweg genommen: Der Magister gehört nicht dazu.


Von einem Magisterstudiengang ist insbesondere dann abzuraten, wenn ein inhaltsgleicher Studiengang an einer anderen Hochschule mit einem Diplom beendet werden kann.
Magisterstudiengänge haben bei vielen Unternehmen einen noch geringeren Stellenwert als ein Lehramtsstudium. Was vor allem für Lehrer vernichtend klingt, die jedoch beim Staat gefragt wie nie sind, ist für Magister, die sich eben nicht auf ein reichhaltiges Jobangebot im staatlichen Sektor freuen können, noch schwerwiegender. Magister ist natürlich kein Studiengang an sich, sondern ein Titel. Unternehmen schätzen diese Abschlussbezeichnung in der Regel nicht: Diplom-, Master- oder Bachelorabschlüsse sind gefragt bei den Recruitern. Das Diplom ist der deutsche Standardabschluss an den Hochschulen, während Master- und Bachelor-Titel erst vor kurzem im größeren Stil von Hochschulen vergeben werden und bei Unternehmen in Mode gekommen sind. Der Magister gilt oftmals als verstaubt, altbacken und suggeriert (oftmals zu Unrecht) ein inhaltsarmes Studium. Tipp: Wählt für euren Studiengang die Hochschule aus, die dieses Studium mit dem Abschluss eines Diplom-, Master- oder Bachelortitel anbietet. Hierbei handelt es sich zumeist um inhaltsgleiche Angebote, die durch einen höher bewerteten Titel einen weitaus erfolgsträchtigeren Start ins Berufsleben ermöglichen.



Noch schlimmer kommen die Historiker weg:


Historiker haben zweifelsohne das Wissen um die Vergangenheit. Ob ihnen dies aber nach dem Studium ein entsprechendes Einkommen verschafft, darf für die Mehrzahl der Historiker sehr bezweifelt werden.
Studierende der Geschichte haben es sehr schwer, nach dem Studium einen Job zu finden - zu rar gesät sind Institutionen oder Unternehmen, die sich entweder mit der Vergangenheit eingehend befassen oder aus dieser wichtige Schlüsse für Gegenwart und Zukunft ziehen. Egal ob Ministerien, (nicht-universitäre) geschichtliche Institute oder Verbände, sie alle leiden unter knappen Kassen und schaffen auf absehbare Zeit keine neuen Stellen. Ein früherer Hauptabnehmer von Historikern fällt also nahezu komplett weg, und zu wenige neue Nachfragen nach geschichtlich versierten Arbeitskräften sind entstanden. Sicherlich gibt es think tanks, die interdisziplinär denken und das Zukünftige mit Hilfe des Vergangenen prognostizieren. Jedoch sind think tanks in Deutschland bei weitem nicht derart stark verbreitet, wie sie es in ihrem Ursprungsland USA sind. Auch die politische Kaste zu Berlin und deren Parteiapparate werden nicht alle Historiker die aus den Unis strömen aufnehmen können und wollen.
Fazit: Ein Studium, welches sich mit Vergangenheit befasst und wenig Zukunftskraft bietet.



In der Liste der Absteiger werden selbstverständlich auch die Fächer Politikwissenschaft, Kommunikationswissenschaft, Soziologie und (wer hätte das gedacht) die Veterinärmedizin geführt! Wen wundert es da noch, wenn BWL, VWL, Jura, Informatik (gar nicht mehr wegzudenken), Medizin (!), Logistik (gibt es auch schon als Studienfach!), Bauingenenieur (!), Lehramt (PISA sei Dank) und Elektroingenieur.

Mittwoch, 23. November 2005

Krise der Geisteswissenschaften im Gespräch

Im Internet fand ich zur (Nicht-)Krise der Geisteswissenschaften einen interessanten Beitrag auf der Homepage der Uni Zürich. Hier hat man sich im Mai diesen Jahres tatsächlich zusammengesetzt, um in alter geisteswissenschaftlicher Tradition über die Krise und die Herausforderungen für diesen Teil der Wissenschaft zu diskutieren. Bis sich allerdings der Nutzen einer derartigen Veranstaltung auch in Deutschland rumspricht, dürfte der Bologna-Prozess wohl zu Ende sein.


Ringvorlesung an der Universität Zürich mit dem Titel "Was ist das - die Hochschule?"

«Geisteswissenschaftler erkennen Strukturen, wo andere oft nur Fakten sehen»

Geisteswissenschaften sind kostengünstig, sie leisten einen wichtigen gesellschaftlichen Beitrag und sie widersprechen einem kurzfristigen Nutzendenken. Diese Positionen vertraten die Zürcher Linguistin Angelika Linke und der Tübinger Philosoph Otfried Höffe an einer Diskussionsveranstaltung an der Universität Zürich.


Weshalb die Artes liberales so wichtig, kostengünstig und widerspenstig sind, erörterte die Zürcher Linguistikprofessorin.

Die Fama einer Krise der Geisteswissenschaften hält sich hartnäckig. Leider sind es oft nur die Geisteswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler selbst, die sich mit dem Thema auseinandersetzen. Kritische Stimmen etwa aus Politik oder anderen wissenschaftlichen Disziplinen fehlten weitgehend auch an der gestrigen Veranstaltung im Rahmen der von Universität und ETH gemeinsam organisierten, interdisziplinären Ringvorlesung «Was ist das – die Hochschule?». In zwei Eingangsreferaten und einer anschliessenden Diskussion nahmen der Tübinger Philosoph Otfried Höffe und die Zürcher Linguistin Angelika Linke Stellung zum Thema «Artes liberales oder Weshalb die Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften so wichtig, kostengünstig und widerspenstig sind».


Die Geisteswissenschaften sind zentral in der Herstellung einer sinn- und orientierungsstiftenden Kultur der Wahrnehmung, betonte der Philosoph Otfried Höffe.


Bildungspolitische «BWL-Mentalität»

Darin, dass die Geisteswissenschaften in der Gesellschaft eine wichtige Funktion innehaben und im Vergleich etwa zur Medizin wenig kosten, waren sich die beiden Referenten einig. Wieso sie sich gegenüber einer an kurzfristigem Nutzendenken orientierten, bildungspolitischen «BWL-Mentalität» (Höffe) widerspenstig verhalten, machten die beiden Wissenschaftler in ihren Vorträgen deutlich. Otfried Höffe hob in seinem Referat mit Bezug auf Aristoteles die nutzenfreie Wissbegier des Menschen hervor, der Rechnung getragen werden müsse. Die Geisteswissenschaften seien zentral in der Herstellung einer sinn- und orientierungsstiftenden Kultur der Wahrnehmung, Erinnerung, Gerechtigkeit und des Urteilens, meinte der Philosoph. Dadurch, dass sie sich gegenüber dem Fremden öffneten und «imperiale Selbstüberschätzungen» relativierten, trügen sie wesentlich zu einer friedlichen Koexistenz in der multikulturellen, globalisierten Gesellschaft bei und seien so geradezu eine Bürgerpflicht.

«Verblüffungsresistenz»

Der Blick, den die Geisteswissenschaftlerauf die ganze Vielfalt der menschlichen Phänomene von der Kunst bis zu sozialen Systemen und ihren Traditionen werfen, führt nach Höffe zu einer positiven «Verblüffungsresistenz»: «Nicht alles, was heute neu ist, ist auch revolutionär.» Dass die Leistungen der Geisteswissenschaften auch in der Berufspraxis gefragt sind, steht für den Tübinger Professor ausser Frage: «Die Abgängerinnen und Abgänger schaffen kein akademisches Proletariat», sagte er.


Die Geistes- und Sozialwissenschaften kosten vergleichsweise wenig und bieten viel, führte die Linguistin Angelika Linke aus.


«Magie des Teuren»

Bezüglich der Kosten sprach Angelika Linke in ihrem Beitrag von einer «Magie des Teuren», die heute üblich sei. «Teure Maschinen und technische Hilfsmittel scheinen - ganz nach dem Motto Qualität kostet - den Glanz von wissenschaftlichen Disziplinen zu erhöhen.» Die Geisteswissenschaften gäben deshalb wohl eher zu wenig Geld aus. Qualität wurde und werde aber dennoch geboten: Institutionen wie die philosophische Frankfurter Schule oder die Gender-Forschung hätten Gesellschaft und Universität wenig gekostet, die Leistungen, die sie für die Allgemeinheit erbracht hätten, seien aber beträchtlich. Ebenso seien geisteswissenschafliche Leitparadigmen wie der «linguistic turn» - das Bewusstsein, dass Sprache unser Denken und Wahrnehmen wesentlich prägt - auch für andere Disziplinen relevant geworden.

Im weiteren bezeichnete Linke die Forderung nach einer berufsbezogenen akademischen Ausbildung «als im Grundsatz falsch». «Uns geht es nicht um die Berufs-, sondern um die Wissenschaftspraxis», sagte die Linguistikprofessorin. Gerade das Reflektieren von gesellschaftlichen Praktiken, sozialen Institutionen und kulturellen Mustern sei aber auch in beruflichen Zusammenhängen eine zentrale Fähigkeit. Eine Qualität der Geisteswissenschaften, so Linke weiter, sei auch deren Vielfalt, zu der auch kleine Fächer wie beispielsweise die Ägyptologie beitragen. «Diese Vielfalt kostet zwar, da wir aber sonst nicht teuer sind, sollte hier investiert werden», schloss die Sprachforscherin.
Krise als Chance

In der anschliessenden Diskussion übernahm Philosophieprofessor Georg Kohler als Moderator die Rolle des advocatus diaboli: Woher stammen die Probleme?, fragte er. Vernebelt der ökonomische Diskurs unser Denken? Sind die Geisteswissenschaften so schlecht messbar? Und: Brauchen wir überhaupt so viele Geisteswissenschaftler – gehört nicht ein grosser Teil der Studierenden an eine Fachhochschule?


Geisteswissenschaftlich geschultes Denken ist in der Berufspraxis wichtig, sagte Otfried Höffe.

Die Orientierung am unmittelbar Messbaren sei bei der Sprechung von Drittmitteln ein Problem, meinte Otfried Höffe. Oft entzögen sich entscheidende Erkenntnisprozesse – man denke beispielsweise an Einstein – aber einer solchen Perspektive. Den Begriff der Krise sollte man ins Positive wenden: «Sie ist das Magma, in dem Kreativität entsteht», sagte Höffe. Linke meinte auf Kohlers letzte Frage Bezug nehmend, die Einführung von Fachhochschulen sei eine sinnvolle Ausdifferenzierung der Bildungslandschaft. Sie betonte aber auch, wie wichtig ein geisteswissenschaftlich geschultes Denken in der Berufspraxis sein könne. «Geisteswissenschaftler können Strukturen erkennen, wo andere oft nur Fakten sehen.» Offen blieb letztlich die Frage aus dem Publikum, wieso die Geisteswissenschaften trotz beträchlichem Potenzial ihre Perspektiven in der Öffentlichkeit nicht besser durchsetzen können. Das habe wohl mit der Geschwindigkeit zu tun, vermutete Angelika Linke. Heute stehe der schnelle Effekt im Vordergrund, die Geisteswissenschaften untersuchten Veränderungen aber mit einer längerfristigen Perspektive.

Sonntag, 20. November 2005

(Existenz-)Krise der Geisteswissenschaften

Als ich die Artikelserie in der ZEIT (22.04.05, Nr. 18) zur Krise der Geisteswissenschaften im April las, war die Idee für UnternehmensGeist.net noch nicht geboren und daher wanderte die Ausgabe ungenutzt in den Papierkorb. Durch einen Bericht bei Perlentaucher wurde ich wieder darauf gestoßen. Der ehrliche Artikel von Martin Spiewak muss jedem Geistes- und Sozialwissenschaftler aus dem tiefstem Herzen sprechen. Da die Adressaten des Artikels zufäligerweise auch gleichzeitig die Zielgruppe der Wochenzeitung sind, ist sicher gestellt, dass die Botschaft auch ankommt!


Rettet euch selbst, sonst tut es keiner

Die Geisteswissenschaften sind für die Zukunft schlecht gerüstet. Sie müssen sich ändern. Oder untergehen

Von Martin Spiewak

Nichts ist für die Geisteswissenschaften so beständig wie die Krise. Die Schriften zum Thema „Krise und Zukunft der Geisteswissenschaften“ sind mittlerweile zu einem eigenen literarischen Genre geworden. Und dennoch leben sie noch immer, die Germanisten, Historiker und Philosophen, die Altsprachler und Theologen. Und das nicht schlecht. Betrachtet man die Zahlen, könnte man gar von einer Blüte sprechen. Von Jahr zu Jahr sind die Studentenzahlen in den Sprach-, Kultur- sowie Sozialwissenschaften stetig gestiegen. Nie waren sie so hoch wie heute. Das Gleiche gilt für das Personal: Mehr als 20000 Beamte und Mitarbeiter für geisteswissenschaftliche Angelegenheiten leistet sich Deutschland. Am forschenden Nachwuchs mangelt es ebenso wenig. 2500 Dissertationen entstehen jährlich an den geisteswissenschaftlichen Fakultäten. Allein bei den Historikern warten 250 Privatdozenten auf eine Professorenstelle.

Welche Krise also?, könnte man fragen – und antworten: Allein die Finanzen stecken in einer Krise. Mehr Geld für Lehre und Forschung, und dann lasst uns in Ruhe. Viele Professoren denken so, vielleicht die Mehrheit. Sie sind die Totengräber ihrer Disziplin. Denn die Rechnung wird nicht aufgehen. Weder wird man die Geistes- und Sozialwissenschaften in Ruhe lassen noch ihnen mehr Geld geben. Die akademischen und gesellschaftlichen Bedingungen wissenschaftlichen Arbeitens sind nämlich dabei, sich grundlegend zu verändern. Früher konnten sich Geisteswissenschaftler auf eine kulturelle Prägung verlassen, die Politik und Gesellschaft verband. Wer wollte damals bestreiten, dass das Studium Hölderlinscher Gedichte per se sinnvoll ist? Heute jedoch existiert ein kultureller Kanon nicht mehr, der Distinktionswert historischer oder literarischer Bildung verblasst. Einem Helmut Kohl war die „Geschichte“ noch eine politische Kategorie; für seinen Nachfolger ist sie nicht viel mehr als ein Redeversatzstück.

Heute muss Wissenschaft etwas nützen und dafür selbst den Beweis erbringen. Das war früher anders. Da stellten Staat und Gesellschaft ihren Forschern Stellen und Räume zur Verfügung, ohne dafür Rechenschaft zu verlangen. Man vertraute auf die inneren Spielregeln des akademischen Systems und meinte, dass Wissenschaft dann den größten Gewinn für die Allgemeinheit bringt, wenn man sie mit sich allein lässt. Dieser „Gesellschaftsvertrag für die Wissenschaft“ steht heute zur Disposition, sagt der Bielefelder Soziologe Peter Weingart.

Versuchens Sie es doch mal!

Alle Disziplinen sehen sich mit der Frage konfrontiert: Was gibt die Wissenschaft der Gesellschaft zurück? Wer seine Existenzberechtigung nicht begründen, die Qualität von Forschung und Lehre nicht belegen kann, dem drohen Sanktionen. Denn unter dem Druck des Wettbewerbs und der leeren Kassen werden die Hochschulen nicht mehr das gesamte Fächerspektrum anbieten können. Sie werden einige Fachbereiche stärken, andere ausdünnen oder völlig schließen. Welche Schwerpunkte gesetzt werden, zeigen jüngste Beispiele.

Für die Hamburger Hochschulen schlug die Dohnanyi-Kommission vor, die geistes- und sozialwissenschaftlichen Fächer um ein Viertel ihrer Studenten zu erleichtern. Als man den Berliner Finanzsenator fragte, wo er bei den Hochschulen seiner Stadt noch Sparpotenziale sehe, fielen ihm die Geistes- und Sozialwissenschaften zuerst ein. In Zukunft wird es nicht einmal mehr die böse Politik brauchen, um die einen Disziplinen zu fördern und die anderen zu stutzen. Ausgestattet mit mehr Autonomie und globalen Budgets, werden die Universitätsleitungen das Geschäft übernehmen. Würden sie es nicht tun, hätten sie ihren Job verfehlt.

Es fehlen sogar Grundfertigkeiten

Man mag diese Trends kritisieren, umdrehen kann man sie nicht. Und wie verhalten sich die deutschen Geisteswissenschaften? Bestenfalls abwehrend und defensiv. Wie sind sie gerüstet für den Wettbewerb um Geld, Aufmerksamkeit und einen bedeutenden Platz in der Universität? Denkbar schlecht. Ihre Wirkung nach außen ist gering. Ihre Bereitschaft zur Qualitätskontrolle scheint ebenso minimal wie ihr Veränderungswille. Dabei hätten sie mehr als alle anderen Fächer Anlass zur Reform. Zum Beispiel in der Lehre. Jeder zweite Student der Geistes- und Sozialwissenschaften braucht deutlich länger bis zum Examen als vorgesehen. Philosophen und Historiker bleiben rund 14 Semester an der Universität. Germanisten und Soziologen ein Semester weniger – wenn sie es denn so weit bringen. Denn auf der Rangliste der Fächer mit den höchsten Abbrecherquoten besetzen Geistes- und Sozialwissenschaften die ersten fünf Plätze; vorneweg die Philosophie: Hier gelangt nur einer von acht Studienanfängern zum Examen.

Die Bildungspolitik trifft an diesem Missstand große Mitschuld. Sie bürdete den billigen geistes- und sozialwissenschaftlichen Fächern die Hauptlast der Bildungsexpansion auf. Auch die Studenten machen es ihren Fächern nicht immer leicht. Viele Sprach- und Kulturwissenschaftler wählen ihr Fach aus Verlegenheit. Zudem arbeiten sie „seltener für das Studium“, wie eine vom Bundesbildungsministerium herausgegebene Studie formuliert. So hatten von den Anglisten nur 37 Prozent den festen Willen zu studieren, während die Studenten der Soziologie die 30-Stunden-Woche verwirklichen – im laufenden Semester wohlgemerkt.

Die Hauptverantwortung liegt jedoch bei den Fachbereichen und ihren Professoren. Selbst nach 20 Jahren haben sie aus den Missständen keine Konsequenzen gezogen. Der Studienplan für angehende Historiker oder Literaturwissenschaftler ist weiterhin auf den Lehrerberuf oder die Universitätskarriere zugeschnitten. Dabei beenden zwei Drittel der Geschichtsstudenten ihre Unijahre nicht mit dem Staatsexamen, sondern mit dem Magister. Einen Einstieg in einen Beruf außerhalb von Schule und Hochschule bietet dieser Abschluss nicht.

Selbst fünf Jahre nach ihrem Examen besetzen nur 42 Prozent aller Geistes- und Sozialwissenschaftler eine unbefristete Vollzeitstelle, zeigt eine Absolventenstudie des Hochschul-Informations-System (HIS). Als HIS-Mitarbeiter Magisterabsolventen nach dem Wert ihrer Universitätsausbildung fragten, gab nur ein Viertel an, das Studium habe ihnen Berufskenntnisse vermittelt. Dabei wünscht sich die Mehrzahl der Studenten mehr Praxisbezug und eine bessere Berufsorientierung. Die Universität ignoriert diess weitgehend. In der Regel bekommt der Student noch nicht einmal Grundfertigkeiten wie gutes Schreiben, Argumentieren oder Präsentieren von Ergebnissen vermittelt. Wer es nicht schon vorher kann, lernt es weder im Studium noch – wenn er der Wissenschaft treu bleibt – bei Promotion oder Habilitation.

Vielleicht ist auch das ein Grund dafür, dass die Früchte geistes- und sozialwissenschaftlichen Schaffens einem größeren Publikum verschlossen bleiben. Zwar erfreuen sich historische Themen großer Beliebtheit. Doch die deutsche Geschichtswissenschaft profitiert davon kaum. Wo bleiben die populären Bücher deutscher Historiker? Nun könnte man einwenden, kein Universitätsprofessor wolle auf dem Niveau von Guido Knopp schreiben. Doch es geht auch anders. Ian Kershaws Hitler-Biografie zum Beispiel wurde ein großer Erfolg, geschrieben von einem britischen Universitätshistoriker.

Erfolgreiche Außenseiter

Die letzte große historische Debatte hat ein Publizist angestoßen, einer ohne Studium übrigens: Jörg Friedrich mit seinem Buch Brand (Propyläen Verlag). Und auch die Wehrmachtsdebatte wurde von einem Institut initiiert, das nur eine lose Verbindung zur Universität hält. Dabei steht die Geschichte, was Resonanz und Relevanz angeht, noch vergleichsweise gut da. Wo liest man von Deutschlands Germanisten außer in ihren Fachjournalen? Kants Welt (Rowohlt Verlag) erschließt Leben und Denken des Philosophen einem breiten Publikum. Sein Autor, Manfred Geier, hat zwar ein „Prof.“ vor dem Namen. Mit der Universität hat er jedoch längst nichts mehr zu schaffen.

Nun sollen nicht alle habilitierten Geisteswissenschaftler versuchen, Bestseller zu schreiben. Den ein oder anderen würde man sich indes schon wünschen. Insbesondere verbeamtete Forscher haben den Auftrag, ihre Erkenntnisse der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen und sich aktuellen Fragen zu widmen. Sie nutzen damit der Stellung ihres Faches wie sich selbst. Doch bis auf Ausnahmen sind die großen Themen der Zeit – die neuen Erkenntnisse der Gen- und Hirnforschung, der kulturelle und soziale Zerfall der westlichen Gesellschaften, die Folgen von Migration und Globalisierung – noch nicht im Zentrum der Kultur- und Sozialwissenschaften angekommen. „Engagement und Schärfe werden nur aufgeboten, wenn es um die Wissenschaftspolitik geht, also pro domo“, schreibt der Sozialpsychologe Harald Welzer in der SZ über seine Kollegen.

Wie es um die Qualität der geisteswissenschaftlichen Forschung bestellt ist, darüber können sich Außenstehende kaum ein Urteil bilden. Naturwissenschaftler haben Nobelpreise und Patente. Ihre Beiträge müssen sich einem internationalen Expertenurteil stellen, bevor sie in einer Zeitschrift gedruckt werden. In den Geistes- und Sozialwissenschaften fehlen solche Bewertungsmerkmale. Drittmittel wären ein Kriterium. Doch anstatt dieses Kriterium anzuerkennen, polemisieren viele Vertreter der Zunft gegen die „Diktatur der Drittmittel“ und tun so, als ob es für Geisteswissenschaftler keine Fördergelder gebe. Das Gegenteil ist der Fall: Die Förderquote bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) stagniert seit vielen Jahren bei rund 15 Prozent – nicht weil es an Geld, sondern weil es an aussichtsreichen Anträgen mangelt.

Es besteht die Gefahr, dass sich die Geistes- und Kulturwissenschaftler so lange allen Evaluationsbestrebungen verweigern, bis andere das Geschäft für sie übernehmen. So läuft es bei der Reform der Studienstrukturen, so lief es bei der Habilitation. Die Probleme bei der Ausbildung des akademischen Nachwuchses, zum Beispiel das hohe Alter der Privatdozenten, waren seit Jahren bekannt. Getan hat sich nichts. Erst als Bildungsministerin Edelgard Bulmahn die Habilitation abschaffte und den Juniorprofessor installierte, war das Wehklagen groß. Auch die Umstellung auf Bachelor und Master ist angesichts der beschriebenen Probleme der Lehre eine historische Chance für die Geisteswissenschaften. Doch anstatt sich an die Spitze der Bewegung zu setzen, verharren die meisten Fakultäten in einer Duldungsstarre. Schuld haben ohnehin stets die anderen: die Gymnasien, die die Abiturienten schlecht ausbilden. Die Studenten, die nicht lesen. Die Politiker, weil sie zu wenig Stellen schaffen.

Doch selbst wenn alle diese Vorwürfe stimmten: Die Antwort der Universität darf niemals Attentismus sein. Wenn die Studenten lesefaul sind: Warum führt man keinen Lesekanon ein und prüft ihn? Wenn die Erstsemester schlecht vorbereitet aus den Schulen kommen: Warum verordnet man wie in den USA keine Lese- und Schreibkurse? Viel wurde in der Vergangenheit über den Sinn der Geisteswissenschaften diskutiert, ob sie Orientierung bieten oder Modernisierungsschäden kompensieren sollen. Solche theoretischen Debatten sind überflüssig, wenn die Geisteswissenschaften ihre Aufgaben erfüllen. Dann werden sie kein Problem haben, ihre Bedeutung zu verteidigen. Der Schmollwinkel ist dafür nicht geeignet.

Samstag, 12. November 2005

Seine Lieblinge bei Amazon

Um über dieses Knowledge-Weblog hinaus, Geistes- und Sozialwissenschaftlern (inkl. allen anderen nichtkaufmännischen Absolventen) Literaturtipps für den Einstieg in die Wirtschaft zu geben, habe ich bei Amazon eine sogenannte "Lieblingsliste" angelegt. Unter dem Titel "Karrierebücher für Geisteswissenschaftler" sind nun einem größerem Publikum meine Empfehlungen zugänglich.

Die Erstellung einer derartigen Liste kann ich jedem Business- oder Knowledge-Weblogbetreiber nur wärmestens ans Herz legen. Neben der PR für das eigene Weblog führt es auch zu einer besseren Vernetzung über die Blogosphäre hinaus.

Mittwoch, 21. September 2005

GSW = Geist und Gesellschaft?

Eigentlich müsste ja der erste vor dem zweiten Schritt folgen. Wissenschaftliches Arbeiten sollte einem gelehrt haben, zuerst die Grundlagen festzulegen und zu definieren (so weit es geht) und dann alle weiteren Fragen abzuhandeln. Woher soll der interessierte "User" wissen, was unter Geistes- und Sozialwissenschaftlern nach meiner Lesart überhaupt zu verstehen ist? Um einem spitzfindigen Leser zuvorzukommen, versuche ich hier eine knappe Begriffsbestimmung.
  • Die Geisteswissenschaften sind nach Wikipedia der Inbegriff derjenigen Wissenschaften, die sich mit kulturell-geistigen Schöpfungen wie Wissenschaft, Kunst, Religion, Staat, Recht usw. befassen. Hierzu zählen im engeren Sinne:

    * Archäologie
    * Geschichte
    * Klassische Altertumswissenschaft
    * Kunstwissenschaft
    * Musikwissenschaft
    * Orientalistik
    * Ostasienwissenschaften
    * Erziehungswissenschaft (Pädagogik)
    * Sportwissenschaft
    * Sprach- und Literaturwissenschaft (unter anderem Anglistik,
    Germanistik, Jiddistik, Romanistik, Sinologie, Slawistik)
    * Theaterwissenschaft
    * Volkskunde
  • Die Sozialwissenschaften oder auch Gesellschaftswissenschaften genannt umfassen jene Wissenschaften, die Phänomene des gesellschaftlichen Zusammenlebens der Menschen theoretisch untersuchen und empirisch ermitteln.

    Auch hier liefert Wikipedia eine interessante Auflistung dessen, was sich dem Begriff unterordnen lässt:

    Im weiteren Sinn werden zu den "Sozial-" bzw. "Gesellschaftswissenschaften" folgende gerechnet.

    * Anthropologie (Sozial- und Kulturanthropologie)
    * Betriebswirtschaftslehre
    * Demografie (Bevölkerungswissenschaft)
    * Ethnologie (Völkerkunde)
    * Medienwissenschaft (Kommunikationswissenschaft)
    * Ökotrophologie (interdisziplinäres Studienfach der
    Haushalts- und Ernährungswissenschaften)
    * Politikwissenschaft (Politologie)
    * Sozialgeografie
    * Sozialgeschichte
    * Sozialpsychologie
    * Sozialphilosophie
    * Soziologie
    * Volkskunde (Europäische Ethnologie)
    * Volkswirtschaftslehre

    gelegentlich (auch heftig umstritten) noch

    * Kunstwissenschaft(en)
    * Pädagogik
    * Rechtswissenschaft (Jurisprudenz)
    * Sprachwissenschaft

    Im engeren Sinne der "Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultäten" deutscher Universitäten sind die "Sozialwissenschaften" nur Politologie und Soziologie.
Damit dürfte nun eine (vorläufige) Grundlage geschaffen sein. Der GSWler mit Unternehmensgeist wird mit Freude festgestellt haben, dass nach dieser Auslegung BWL - wenn auch umstritten - zu den Gesellschaftswissenschaften gezählt wird.

Sonntag, 7. August 2005

Praxisinitiativen an den Unis

Es überrascht doch wie zahlreich die Praxisinitiativen an deutschen Universitäten geworden sind. Neben universitätsnahen Servicegesellschaften etablieren sich immer mehr studentische Initiativen, die zur Mitarbeit und Engagement einladen. Auf studserv fand ich eine ziemlich umfassende Auflistung von Career Centern, Praxisinitiativen und Netzwerken. Nun kann wirklich niemand mehr sagen, es stünden ihm keine Möglichkeiten offen, sich für den Arbeitsmarkt zu qualifizieren!!

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